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4. E-Books produzieren

4.1 Produktion von E-Books

4.1.1 Grundsätzliches

Bei der Produktion von E-Books ist es ähnlich wie bei der Produktion einer Website: es gibt viele Wege und viele verschiedene Tools – aber nicht alle sind zielführend. Ich empfehle ausdrücklich, ein E-Book als Repräsentation in verschiedenen Formaten zu denken und entsprechend zu produzieren. Das heisst, dass man zumindest eine EPUB-Version und eine PDF-Variante herstellen sollte. Hinzu kommt allenfalls eine HTML-Version und für die kommerzielle Nutzung ein MOBI/AZW-Format für die Amazon-Kindle-Welt. Die Produktion eines PDF-Dokuments ist ja heute standardmässig in das Betriebssystem oder in die gängige Software integriert. Wobei es auch hier noch Unterschiede gibt, vor allem wenn man ein archivtaugliches PDF-A erstellen will.

Mein persönlicher Grundsatz bei der Produktion eines E-Book heisst Einfachheit. Ein E-Book muss den gängigen Standards (als EPUB und als PDF) entsprechen und sollte möglichst keine überflüssigen Elemente, vor allem spezifische Formatierungen, enthalten. Das ist mein Credo. Die Formatierung erfolgt dann über StyleSheets. In der Praxis bedeutet dies, dass – wie zu den Anfängen beim Herstellen von HTML-Seiten – nicht ein Worddokument konvertiert und als EPUB veröffentlicht werden sollte. Es gibt einige Tools, die das zwar übernehmen, aber dann einen ziemlich „schmutzigen“ HTML-Code generieren. Je mehr Formatierungen im Originaldokument enthalten sind, desto mehr Ballast enthält das konvertierte Dokument. Das mag etwas „old school“ sein, entspricht aber meinen Erfahrungen und Vorlieben.

Ich gehe hier nicht auf die Produktion von E-Books mit Hilfe des professionellen Tools Adobe Indesign ein. Ich habe schon seit einiger Zeit nicht mehr damit gearbeitet. Es bietet unter anderem den Vorteil, dass aus der Datei verschiedene Formate exportiert werden können. So werden zum Beispiel Fussnoten fürs PDF-Dokument automatisch in Endnoten fürs EPUB umgewandelt. Ich stelle mehrere Herangehensweisen und Tools vor: Export aus einer Textverarbeitung (OpenOffice, GoogleDocs), Umformatierung eines Textdokuments mit Calibre, direkte Produktion eines EPUB mit der freien Software SIGIL und die Produktion mit der WordPress-Anwendung Pressbooks.

Wer direkt einen Text in ein EPUB umwandeln will, kann dazu Google Docs oder OpenOffice verwenden, das diesen Export ermöglicht. Benötigt wird die Extension Writer2ePub.

 

Screenshot: Epub-Export mit Writer2Epub in der Anwendung Open Office

Das Ergebnis ist durchaus brauchbar. Allenfalls kann noch das StyleSheet verändert werden, wenn man ein anderes Layout wünscht. Die Bilder werden extrahiert und separat im Bildverzeichnis des EPUB-Containers abgelegt. Ebenso die Fussnoten, die in einen eigenen Ordner geschoben werden.

Screenshot: aus Open Office exportiertes EPUB in der Anwendung SIGIL

Oder man kann mit Hilfe von Calibre ein Word-Dokument in ein EPUB konvertieren. Oft beginnt dann aber das Formatieren oder Bereinigen der Datei. Ein kurzer Versuch mit der aktuellsten Version von Calibre hat gezeigt, dass Probleme vor allem bei der Umwandlung von Tabellen entstehen. Die Word-Vorlage sollte auf jeden Fall mit Überschriften strukturiert sein, möglichst wenige spezielle Formatierungen enthalten und möglichst keine komplexen Tabellen. Illustrationen werden ohnehin besser nachträglich in das EPUB eingefügt. Der erwähnte Versuch mit einem Vorlesungsskript ergab ein beinahe valides EPUB. Nachbearbeiten kann man das Dokument dann im Editor SIGIL.

Screenshot: mit Calibre konvertiertes Word-Dokument mit Formatierungen und einer Anzahl unnötiger Dateien (linke Spalte mit einer HTML-Seite pro Fussnote)

Bei der Konvertierung muss zum Beispiel überlegt werden, ob man tatsächlich mit vielen Endnoten arbeiten will. Fussnoten werden im EPUB zu Endnoten umgewandelt und am Ende des Kapitels oder des Buches aufgeführt. Auch wenn die Einträge verlinkt werden können und ein Hin- und Herspringen möglich ist, dürfte das für Leserinnen und Leser ein zweifelhaftes Vergnügen sein. Vorgängig sollte also die Zitierweise an das Format angepasst werden. Einen Literaturverweis würde ich direkt in Klammer im Text anbringen und nicht über eine Fuss- bzw. Endnote.

Bei den eingefügten Bildern sollte man beachten, dass die Grösse an die Darstellungsmöglichkeiten der Lesegeräte angepasst wird. Ich habe für die Illustrationen in diesem E-Book eine Breite von 600 Pixeln gewählt. Wobei ich vermute, dass heute die meisten Lesegeräte mit grösseren Bildern umgehen können und diese auf die gewünschte Grösse herunterrechnen..

Die Beiträge für die Zeitschrift Informationspraxis formatiere ich jeweils ausgehend von der HTML-Version in ein EPUB um. Versuche mit automatischer Konvertierung haben mich bis jetzt nicht überzeugt. Deshalb kopiere ich also den HTML-Code manuell und füge ihn dann in einer Seite in SIGIL ein. Nach Anpassung der Metadaten kann das File meist ohne weitere Veränderung verwendet werden. Die Metadaten können über die Funktionen „Add Basic“ und „Add Role“ mit verschiedenen Elementen erweitert werden, wie im Beispiel dargestellt.

Screenshot: Bearbeitung der Metadaten in SIGIL

Zudem kann (und sollte) das Inhaltsverzeichnis geprüft werden. Im Beispiel hat die Übernahme aus Open Office einwandfrei funktioniert. Grundlage dafür ist die konsequente Arbeit mit Überschriften und die korrekte Generierung des Inhaltsverzeichnisses im Ausgangsdokument.

Table of Contents zur Bearbeitung in SIGIL

Sowohl die Metadaten wie das Inhaltsverzeichnis werden im EPUB verwendet und mit Hilfe der Reader bzw. der Software auch nutzbar gemacht.

4.1.2 Pressbooks als Plattform

Dieses E-Book produziere ich mit Hilfe der Plattform Pressbooks. Sie hat heute den Nachteil, dass man für den Export der unterschiedlichen Formate bezahlen muss, wenn man kein Wasserzeichen von Pressbooks haben möchte. Aber die Plattform ist verblüffend einfach, da sie auf WordPress aufbaut. Man schreibt also praktisch einzelne Blogbeiträge, die organisiert werden können und am Schluss in verschiedene Formate im gewünschten Design exportiert und veröffentlicht werden können: EPUB, Mobi, PDF. Gleichzeitig bleibt die Publikation als Webbook über den Browser zugänglich und lesbar.

Screenshot: Organisation der Kapitel in Pressbooks.

In der Logik von WordPress entspricht ein Kapitel einem Blogbeitrag. Sie können einzeln veröffentlicht werden. Zum Schreiben bietet Pressbooks ähnliche Funktionen und Unterstützung wie WordPress. Es gibt eine Vorlage für Fussnoten und verschiedene Absatzformate und Textboxen zur Gestaltung des E-Books.

Screenshot: Kapitel im Bearbeitungsmodus in Pressbooks (im WYSIWYG-Modus)

Weitere wichtige Funktionen ist die Bearbeitung der Metadaten (im Menu Buch-Info), die Wahl des Designs aus einer Reihe von Vorlagen (v.a. für das PDF). Schliesslich kann das Werk in die gängigen (und auch einige exotische) Formate exportiert werden.

Screenshot: Exportfunktion in Pressbooks

4.1.3 Veröffentlichen des E-Book

Dieser Teil wird auf der Grundlage der Ergebnisse des Workshops am 107. Deutschen Bibliothekartag ergänzt.

Es ist nicht gerade trivial, ein selbst produziertes offene E-Book so zu veröffentlichen, dass es einfach gefunden und genutzt werden kann. Hier soll noch ein Weg beschrieben werden, wie dies geschehen kann. Dazu werde ich zuerst dieses E-Book auf diesem Weg in einer ersten Version publizieren und dies im Workshop am Bibliothekartag vorstellen und diskutieren. Einfacher ist diese für SelbstverlegerInnen, die kommerzielle Dienste nutzen wollen.

Pressbooks bietet auch noch eine gewisse Unterstützung beim Publizieren in verschiedenen kommerziellen Online-Buchhandlungen. Am besten wählt man als Selbstverleger aber einen eigenständigen Dienst, wie zum Beispiel Books on Demand (https://www.bod.de/), epubli (http://www.epubli.de) oder XinXii (http://www.xinxii.com). Matthias Matting gibt auf seiner Website Die Self-Publisher-Bibel (http://www.selfpublisherbibel.de) Tipps zum selbst publizieren und vergleicht auch die Anbieter solcher Dienste. Je nachdem kann durch direktes Hochladen in den verschiedenen Stores ein höherer Gewinn für die Autoren resultieren. Bei BoD und epubli kann man sich das selbst produzierte Buch auch ausdrucken und als Print-Exemplar in den Buchhandel speisen lassen. Viele Online-Buchhändler haben auch ein eigenes Programm, wie zum Beispiel Amazons Kindle Direct Publishing (https://kdp.amazon.com).

 

EBUB Validation

Um zu prüfen, ob das selbst produzierte E-Book dem Standard entspricht, kann man es bei EPUB Validator (http://validator.idpf.org) hochladen und testen lassen. Wobei die Dateigrösse 10 MB nicht überschreiten darf.

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