1. E-Books Grundlagen

1.1 Erscheinungsformen von E-Books

1In verschiedenen Diskussionen und gemeinsamen Vorträgen und Publikationen mit meinem Kollegen Bruno Wenk haben wir uns dafür entschieden, die Darstellung von E-Books nicht anhand spezifischer Formate, sondern auf der Grundlage verschiedener Erscheinungsformen zu gliedern.[1] Diese Erscheinungsformen führen dann auch zu den unterschiedlichen Formaten mit ihren Funktionen und zur Definition von E-Books.[2]

1.1.1 Erscheinungsform 1: Text und Bild

2Die erste Erscheinungsform orientiert sich am klassischen, gedruckten Buch. Sie ist geprägt von einem längeren Text,[3] der ergänzt wird mit Bildern, Grafiken, Tabellen und Formeln. Es kann Hyperlinks enthalten, die als Navigation innerhalb des Buches (Inhaltsverzeichnis, Fussnoten) oder zum Verweis auf externe Information im WWW dienen. Es sind Formatierungen (Überschriften, fett/kursiv), Aufzählungen und Einrückungen möglich.

3Diese Erscheinungsform ist mit einem Gerät – einem PC, E-Reader, Tablet oder Smartphone – lesbar. Es handelt sich um eine Datei, die in einem speziellen Format auf einem Web-Server bereitgestellt wird und auf das Lesegerät kopiert (heruntergeladen) werden kann.

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Screenshot aus dem E-Book „Intertwingled“ von Peter Moville in der Kindle-App mit Text, verlinkter Endnote und Illustrationen.

4Mögliche Formate sind unter anderem EPUB 2, Mobipocket, azw (Amazon/Kindle) und PDF.

1.1.2 Erscheinungsform 2: Enhanced E-Book

5Das E-Book, wie es oben beschrieben wurde, wird ergänzt durch multimediale Elemente wie Audio oder Video, und/oder durch interaktive Elemente. Diese Form der E-Books ist mit einem PC, einem Tablet oder einem Smartphone nutzbar. Die auf der E-Ink-Technologie basierenden E-Reader können die multimedialen und interaktiven Elemente in der Regel nicht wiedergeben. Es handelt sich um eine Datei, die in einem speziellen Format auf einem Web-Server bereitgestellt wird und auf das Lesegerät kopiert (heruntergeladen) werden kann.

6Als Beispiel kann hier das E-Book „Das Schandweib“ aufgeführt werden, in dem verschiedene Funktionen ausprobiert wurden, so u.a. Videointerviews mit der Autorin oder sich überlagernde historische Karten von Hamburg.

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Umschlagbild und eine Seite mit interaktiver Karte aus dem E-Book „Schandweib“ von Claudia Weiss.

7Mögliche Formate sind EPUB 3 und KF8 (Amazon/Kindle, auch azw3) oder iBooks (Apple).

1.1.3 Erscheinungsform 3: Das E-Book mit fixem Layout

8Bei dieser Erscheinungsform ist das Layout des E-Books fest. Es kann aus reinem Text und Bild bestehen oder mit multimedialen und interaktiven Elementen angereichert sein. Die klassische Form entspricht der Druckausgabe eines digital produzierten Buches im Format PDF und wird vor allem im Wissenschaftsbereich nach wie vor als Standard eingesetzt. Im Bereich Belletristik und populäre Sachbücher kommt dagegen das Format EPUB fixed Layout zum Einsatz.

9Mein persönlicher Favorit ist die multimediale Umsetzung von „The Beatles – Yellow Submarine“ in iBooks mit Video und Audio sowie der Vorlesefunktion mit der Markierung der gelesenen Stelle. Als interaktive Elemente sind Quizzes, Multiple-Choice Fragen oder interaktive Bilder möglich. Diese Form der enhanced E-Books wird öfters im Bereich Lehrbücher, bei Sachbüchern und interaktiven Bilderbüchern eingesetzt.

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Screenshot des iBook „Yellow Submarine“ mit eingebettetem Video

10Als Formate kommen hier PDF, EPUB 3, iBooks (Apple) und KF8 (Amazon/Kindle) zum Einsatz.

1.1.4 Erscheinungsform 4: Das E-Book als App

11Diese Form des E-Books wird als App mit multimedialen Inhalten und Interaktion angeboten, oft ergänzt mit hardwarenahen Funktionen (z.B. Positionsbestimmung). Die Apps sind mit einem Tablet oder Smartphone nutzbar und werden für die verschiedenen mobilen Betriebssysteme angeboten.

12Eine Spezialform des E-Books als App sind sogenannte Gamebooks, wobei hier dann die Grauzone zwischen Buch und Game erreicht wird. Die Apps können auf Geräte- und softwarespezifische Funktionen zugreifen und bieten einen grösseren Funktionsumfang als ein enhanced E-Book.

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Game oder Buch? Die Grenzen verschwimmen beim Gamebook.

1.1.5 Erscheinungsform 5: Online zugängliche Inhalte

13In Anlehnung ans Gamebook könnte man hier auch vom Webbook sprechen. Das E-Book wird direkt im Browser angezeigt. Beispiele dafür sind Google Books, Kindle Cloud Reader oder auch der Anbieter PaperC. Auch dieses E-Book, das Sie gerade lesen, kann auf der Plattform Pressbooks im Browser gelesen werden. Im Kapitel zu den Formaten werden wir sehen, dass die spezifischen E-Books-Formate auf Webtechnologien basieren und somit der Weg zu einem browserfähigen E-Book nicht weit ist. Benötigt wird eine Website, welche diese Formate unterstützt und geeignete Funktionen dafür anbietet (Blättern, Zoomen etc.).

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Screenshot: E-Book im Browser auf der Plattform Pressbooks

14Weiter geht die Interessengruppe des W3C, die ein neues Konzept für Web-Publikationen vorschlägt: Web Publications for the Open Web Platform: Vision And Technical Challenges (W3C Interest Group Note 02 May 2017, https://w3c.github.io/dpub-pwp/). Die Vision sieht eine Kombination des Konzepts Buch, das zusammengehörende Inhalte zu einem Ganzen bindet, mit dem Konzept des dynamischen Web vor.

15A Web Publication (WP) is a collection of one or more constituent resources, organized together in a uniquely identifiable grouping that may be presented using standard Open Web Platform technologies.

16Mit dem neuen Konzept, dessen Spezifikationen noch ausgearbeitet werden sollen, werden die Schwächen des EPUB, das für die Nutzung spezielle Soft- und Hardware benötigt. Das Format sei zu komplex in der Herstellung, Distribution und beim Nutzen der Dokumente. Das PDF wiederum limitiert die Publikation auf eine Adaption der analogen Druckversion.

1.1.6 Gemeinsamkeiten der Erscheinungsformen

17Allen Formen gemeinsam ist, dass für deren Nutzung ein digitales Gerät nötig ist (E-Reader, PC, Laptop, Tablet, Smartphone, usw.).  Und deshalb gelten folgende Grundsätze:

  • Das verwendete Gerät bestimmt die Funktionalitäten und die Nutzererfahrung beim Lesen mit
  • Ohne elektrische Energie gibt es kein funktionierendes Gerät
  • Ohne funktionierendes Gerät gibt es gar kein “Lesevergnügen”
  • Nicht alle Geräte unterstützen alle Formate
  • Nicht alle Geräte unterstützen alle Funktionen
  • Nicht alle Inhalte sind frei verfügbar
  • Bei einer Einschränkung via DRM wird die Nutzung auf bestimmte Geräte (für bestimmte Personen) beschränkt
  • Bei der Einschränkung via Zugriff (IP-Range) ist die Nutzung nur in oder aus bestimmten Netzwerken möglich

18Allen Formen gemeinsam ist zudem, dass die Geräte (Hard- und Software) für deren Nutzung Zusatzfunktionen zur Verfügung stellen. Zum Beispiel:

  • Wörterbuch, Glossar
  • Markierungen, Annotationen
  • Buchzeichen
  • Vorlesefunktion
  • Silbentrennung
  • Einstellung von Schriftgrösse, Seitenumbruch, Hintergrundfarbe etc.

Literatur zum Kapitel

Kern, Fabian (2017): Der Web-Browser: Lesegerät der Zukunft? In: Buchreport, 1. März 2017 (https://www.buchreport.de/2017/03/01/der-web-browser-lesegeraet-der-zukunft/)

 


  1. Auf die Formate wird im folgenden Kapitel eingegangen.
  2. Die hochgestellten Zahlen am Anfang eines Abschnitts dienen der Zitierbarkeit des Beitrags. Mehr dazu im Kapitel zum Arbeiten mit E-Books.
  3. In Anlehnung an die UNESCO-Definition eines Buches, das mindestens 49 Seiten umfasst.

1 Response to 1.1 Erscheinungsformen von E-Books

  1. Wolf auf Juni 30, 2017 von 10:27 pm says:

    Die Gliederung oder zumindest die Reihenfolge schient hier etwas merkwürdig. Wonach wurde sortiert?
    PDF ist fixed Layout. Genauso wie inzwischen immer weniger zu sehende Umsetzungen mit Flash. EPUB und MOBI hatten einen anderen Ansatz. Weitere Formate wie LIT und DJVU werden hier nicht eingeordnet. Audio-Bücher sind keine E-Book? Wenn nicht, könnte man das hier sicher gut wegdefinieren.
    EPUB, wie auch MOBI, ist technologisch dem Web entlehnt. Und es existieren Browser-Erweiterungen für insb. EPUB, was die Handhabung stark vereinfacht.

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