1. E-Books Grundlagen

1.3 E-Books-Formate

1E-Books gibt es in verschiedenen Formaten (Dateiformaten). Wenn man die Liste verfügbarer E-Books-Formate betrachtet, fällt auf, dass auch Formate wie Word (.doc, .docx) oder Text (.rtf, .txt) oder auch die Web-Auszeichnungssprache HTML dazu gezählt werden können. Auf diese Formate gehe ich hier nicht näher ein, sondern behandle nur die gängigen E-Books-Formate im engeren Sinn: EPUB, Mobi/AZW und PDF.

2Die Formate mit ihren jeweiligen Funktionen sind die Grundlage für die verschiedenen Erscheinungsformen von E-Books. Für die Nutzung ist relevant, dass diese Formate sowohl offen wie auch eingeschränkt nutzbar sein können. Der technische Schutz erfolgt über ein sog. Digital Rights Management (DRM), das in einem nächsten Kapitel speziell behandelt wird.

3Herausgebildet haben sich diese E-Book-Formate schon früh mit dem Aufkommen kleiner Displays zum Lesen von Texten und dem World Wide Web. Schon die in den späten 1990er Jahren und bis zum Durchbruch der Smartphones weit verbreiteten Personal Digital Assistents (PDAs, wie z.B. der Palm) boten die Möglichkeit, E-Books in speziellen Formaten (u.a. Mobipocket) zu lesen, die auf Webtechnologien basierten.

4Im Wissenschaftsbereich etablierte sich das PDF als gängiges Format für die Artikel in elektronischen Zeitschriften neben rein webbasierten Publikationen im HTML-Format. Das PDF bietet für wissenschaftliche Inhalte und namentlich die Zitterfähigkeit einige Vorteile. Das Konzept wurde dann für die E-Books übernommen. Somit dominieren je nach Einsatzbereich unterschiedliche E-Books-Formate: EPUB und AZW (Amazon) im Publikumsbereich (Belletristik, Sachbücher/Ratgeber) und PDF im Wissenschaftsbereich. Zudem unterscheiden sich die Methoden der Zugriffsbeschränkung in diesen beiden Bereichen: Digital Rights Management im Publikumsbereich, Zugriffskontrolle im Wissenschaftsbereich. Mehr dazu in den folgenden Kapiteln.

1.3.1 E-Books im Format EPUB 2

5EPUB (Akronym für electronic publication) ist ein offener Standard für E-Books des International Digital Publishing Forum (IDPF). Es wurde 2007 erstmals standardisiert und löste den Vorgänger Open eBook Publication Structure (OEB) ab. Im Juni 2014 wurde EPUB 2 von der neuen Version EPUB 3 abgelöst und wird nicht mehr aktiv unterstützt. Trotzdem werden noch viele E-Books im alten Standard produziert, weshalb er hier ausführlich beschrieben wird. EPUB 3 bietet zahlreiche grundsätzliche Neuerungen, die in einem nächsten Abschnitt behandelt werden.

Grundsätzliches

6EPUB basiert auf Webtechnologien und verhält sich somit ähnlich wie eine Website. Vereinfacht gesagt: Die einzelnen Kapitel bilden Webseiten, die als einzelne ZIP-Datei auf ein Lesegerät geladen und mit Hilfe geeigneter Software geöffnet werden kann. Wie bei einer Webseite ist der Satzspiegel flexibel und passt sich dynamisch am Bildschirm an. Es können Grafiken in den Formaten JPEG, PNG und GIF integriert werden. Es gibt keinen festen Seitenumbruch, was wiederum für die wissenschaftliche Nutzung und die eindeutige Zitierung Schwierigkeiten bereitet. Da das Seitenende nicht festgelegt ist, werden statt Fussnoten Endnoten eingesetzt. Durch seine Eigenschaften ist das Format EPUB ideal für die Verwendung auf Geräten mit kleinen Bildschirmen. In der Version 2 waren multimediale Inhalte (ausser über das DAISY-Format für Hörbücher) nicht im Standard vorgesehen. Problematisch ist die Darstellung von Formeln (sie müssen als Bilder integriert werden) und von komplexen Tabellen, wobei letzteres vor allem mit der beschränkten Darstellung auf kleinen Bildschirmen zu tun hat. Bei der Produktion eines E-Book im Format EPUB ist es vorteilhaft, Bilder und Tabellen auf eine Seitenbreite von 600 Pixeln zu reduzieren (und 800 Pixel in der Höhe). Dies im Hinblick auf die Nutzung auf einem E-Reader mit beschränkter Bildschirmgrösse und Auflösung.

7Das E-Book im Format EPUB 2 lässt sich mit vielen verschiedenen Lesegeräten und Softwares nutzen. Ein offenes EPUB (ohne DRM) kann praktisch auf allen Plattformen gelesen werden – ausser auf Kindles. Wobei sich ein offenes EPUB leicht in ein Kindle-taugliches Format konvertieren lässt.[1] Dazu eignet sich die offene Software Calibre (https://calibre-ebook.com) ausgezeichnet.

E-Book im Format EPUB 2

Screenshot: E-Book im Format EPUB 2 in der App iBooks auf einem iPad

8Im Lesegerät kann man zum Beispiel die Schriftgrösse, die Hintergrundfarbe sowie die Schrifttype wählen. In der linken Hälfte des abgebildeten E-Books ist das Inhaltsverzeichnis eingeblendet. Die verfügbaren Funktionen und Möglichkeiten hängen von der verwendeten Soft- und Hardware ab.

Technischer Hintergrund

9Die Spezifikation von EPUB 2 gliedert sich in drei Teile, die unterschiedliche Bereiche definieren (vgl. Spezifikation des IDPF):

  • Die Struktur der eigentlichen Inhalte (OPS)
  • Das Paketformat (OPF)
  • Die Struktur des Archivs (OCF)

10Der EPUB-Standard basiert auf einer Anzahl freier Standards. In Version 2 sind dies hauptsächlich XMLXHTMLDTBookSVGCSSDublin Core und Zip. Zudem sind die Grafikformate PNGJPEG/JFIF und GIF Teil der Spezifikation.

EPUB in der Software SIGIL

Screenshot aus einem E-Book im Format EPUB in der Software SIGIL

11Am gezeigten Beispiel erkennt man links im „Book Browser“ von SIGIL die verschiedenen Elemente, u.a. einen Ordner für die Textseiten, für Bilder und mehr sowie das Inhaltsverzeichnis (toc.ncx) und die Dateistruktur (content.opf). Im Editor ist eine HTML-Datei zu erkennen mit Überschriften (<h2>), mit Textparagraphen und einem in die Seite integrierten Bild im Format PNG (gelb markiert). Es sind zudem verlinkte Endnoten zu erkennen (<a href=“#_edn3″>[3]</a>).

EPUB in SIGIL

Screenshot aus E-Book in SIGIL im WYSIWYG-Modus

12Hier sieht man in SIGIL die Ansicht desselben Ausschnitts: das Bild ist hier intergriert, die Links gekennzeichnet, die Überschrift ausgezeichnet. Und links im Browser erkennt man den geöffneten Ordner mit den Textseiten – für jedes Kapitel im E-Book ist eine HTML-Seite angelegt.

13Aus bibliothekarischer Sicht interessant ist der Aspekt, dass auch Dublin Core Teil des Standards EPUB ist. Dublin Core definiert eine Reihe von Metadaten, mit deren Hilfe ein E-Book beschrieben werden kann. Und die Lesegeräte können diese Metadaten nutzen für die Darstellung und Ordnung der E-Books als Sammlung.

Metadaten in SIGIL

Metadateneditor in SIGIL mit den Attributen nach Dublin Core

14Ein weiteres wichtiges Element des EPUB-Formats ist das Inhaltsverzeichnis (NCX). Das Inhaltsverzeichnis wird separat erstellt und dient dann im Lesegerät zur Navigation. Wobei jede Software und jedes Gerät die Darstellung etwas anders interpretieren kann – aber dazu später mehr. Bei der Produktion lässt sich festlegen, welche Ebenen der Überschriften ins Inhaltsverzeichnis übernommen werden sollen.

EPUB mit Inhaltsverzeichnis

Screenshot aus SIGIL mit der geöffneten Datei toc.ncx und dem Inhaltsverzeichnis im XML-Format sowie dem Editor-Fenster

15Die Gestaltung des E-Books erfolgt über die Webtechnologie CSS (Cascading Style Sheets). Wie bei einer Website wird somit das Layout generell über eine zentrale Datei gesteuert, in der z.B. die verwendete Schrift, die Textgrösse der verschiedenen Überschriften, die Textfarbe, die Einrückung bei Zitatblöcken und vieles mehr definiert sind.

SIGIL mit CSS-Datei

Screenshot aus SIGIL mit einer CSS-Datei

1.3.2 E-Books im Format EPUB 3

Grundsätzliches

1EPUB 3 ist mehr als eine Weiterentwicklung der Version 2 und bietet einige weitreichende neuen Funktionalitäten. Seit 2014 ist EPUB der aktuelle Standard, der anfangs 2017 in der Version 3.1 publiziert wurde. In der Praxis hat er sich in seiner vollen Funktionalität aber noch nicht wirklich durchgesetzt. Dies zeigt auch die Übersicht über die gängigen Reader (EPUBTest, englisch) und ihre Unterstützung von EPUB 3. Es fällt auf, dass kaum eine Soft- oder Hardware die speziellen Funktionen zuverlässig umsetzen kann. Wobei ein EPUB 3 nicht zwingend ein multimediales und interaktives E-Books sein muss. Auch ein E-Book in der ersten Erscheinungsform mit Text und Bild kann sehr wohl im Format EPUB 3 publiziert werden.

2Neu basieren die Inhaltsseiten eines E-Books in EPUB 3 auf dem Web-Standard HTML5. Damit verknüpft sind auch verschiedene Multimedia-Formate für Video und Ton. Mit den Media Overlays wird ermöglicht, dass gesprochener Ton mit dem Text verknüpft wird und somit synchron abgespielt bzw. angezeigt werden kann. Es sind sogenannte Text-to-Speech-Funktionen integriert, was unter anderem für barrierefreie E-Books wichtig ist. Zudem kommt SVG zum Einsatz, ein Format für skalierbare Vektorgrafiken, das auch Interaktivität erlaubt. So können zum Beispiel interaktive Karten oder auf dem Bildschirm verschiebbare grafische Elemente integriert werden. Damit bietet EPUB 3 eine ausgezeichnete Grundlage für interaktive, multimediale (sog. Enhanced) E-Books. Weiter wird MathML für die Darstellung von mathematischen Formeln unterstützt. In der Kombination all dieser Elemente ist EPUB 3 ein ideales Format für digitale Lehrbücher, da beispielsweise auch Multiple-Choice-Tests integriert werden können.

3Bei all diesen Vorteilen stellt sich die Frage, weshalb EPUB 3 zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung als Standard noch nicht weiter verbreitet ist. Ein Problem wurde oben schon angesprochen: die vielen Möglichkeiten und Varianten (nur schon im Rahmen von HTML5) erschweren es den Lesegeräten, die Inhalte zuverlässig darzustellen. Es muss bedacht werden, dass ein älterer E-Reader ein komplexes E-Book im Format EPUB 3 nicht darstellen kann, weil er möglicherweise nur schon das Inhaltsverzeichnis nicht auslesen kann. Zudem können die auf E-Ink basierenden E-Reader keine Videos darstellen und die meisten heutigen Modelle nicht einmal mehr Ton ausgeben. Insofern muss sich ein Verlag überlegen, ob er den komplizierten Weg über EPUB 3 wirklich gehen will oder nicht lieber ein einfaches EPUB 2 veröffentlichen will. Die andere Problematik stellt die Produktion von EPUB 3 dar. Während es für EPUB 2 viele Tools gibt, die einfach zu nutzen sind, stellt ein EPUB 3 viel grössere Herausforderungen. Besonders die interaktiven Elemente müssen aufwändig programmiert werden (mit Hilfe von Javascript oder SVG). Mehr dazu später im Kapitel zur Produktion von E-Books.

Technischer Hintergrund

4Wer sich für die technischen Details interessiert, sei hier auf die Spezifikation des IDPF verwiesen. EPUB 3 besteht aus vier Spezifikationen, die jede eine wichtige Komponente einer EPUB-Publikation darstellt:

  • EPUB Packages (in Version 3.0 hiess es noch Publications) definiert die Semantik und die übergreifenden Anforderungen an das E-Book,
  • EPUB Content Documents definiert die Profile von XHTML, SVG und CSS,
  • EPUB Open Container Format (OCF) definiert ein Dokumentformat und Verarbeitungsmodell zum Verkapseln der Ressourcen in ein einziges File (ZIP) als EPUB Container,
  • EPUB Media Overlays definiert ein Format und Verarbeitungsmodell für die Synchronisation von Text und Audio.

5Folgende Tabelle zeigt die Änderungen in der Struktur von EPUB 2 zu EPUB 3. Gewisse Elemente wurden neu gestaltet und umbenannt, andere komplett neu eingeführt (vgl. IDPF – EPUB 3 Changes from EPUB 2.0.1). Kleinere Änderungen gab es von der Version 3.0 zu 3.1.[2]

Area EPUB 3 Specification EPUB 2.0.1 Specification
Publication-level Specification & Package Docs EPUB Packages 3.1 Open Packaging Format 2.0.1
Content-level Specification EPUB Content Documents 3.1 Open Publication Structure 2.0.1
EPUB Navigation Documents EPUB Content Documents 3.1 N/A (NCX referenced as DAISY specification)
Media Overlays EPUB Media Overlays 3.1 N/A
Container packaging EPUB Open Container Format 3.1 Open Container Format 2.0.1

EPUB 3 mit fixem Layout

6EPUB 3 enthält Metadaten, die es erlauben Dokumente mit einem fixen Layout in XHTML darzustellen, zusätzlich zu den Funktionen und Möglichkeiten von SVG. Diese Metadaten geben das Format der Seite an (Höhe, Breite) und erlauben es die einzelnen Elemente absolut im Canvas-Element[3] zu platzieren.

7EPUB 3 hat ein grosses Potenzial für „schön“ gestaltete E-Books und wird entsprechend in Bilderbüchern eingesetzt oder auch für grafisch gestaltete Zeitschriften und Magazine. Für die Nutzung auf Geräten mit kleinem Bildschirm drängt sich jedoch das flexible Layout auf.

1.3.3 E-Books im Format Mobipocket

1Mobipocket (.mobi) wurde für die Darstellung von Texten auf Handhelds entwickelt und kam schon auf Organizern wie Palms zum Einsatz. Es entspricht dem Open eBook-Standard und diente als plattformübergreifendes Format. Technisch gesehen ist das Format eng mit dem EPUB verwandt (welches seinerseits eine standardisierte Weiterentwicklung des Open eBook-Formats ist). Es wurde vom mittlerweile vom Markt verschwundenen E-Reader iRex unterstützt, und vor allem auch vom Kindle. Amazon kaufte die Firma Mobipocket 2005 und setzt für seine E-Books das Format in leicht abgewandelter Form AZW mit eigenem DRM ein.[4] Das Format Mobipocket wird als solches nicht mehr weiter entwickelt, Amazon setzt auf die proprietäre Version. E-Books im Format Mobipocket (ohne DRM) lassen sich mit der Software Kindle auf vielen Plattformen lesen, so auch mit der App Kindle auf dem iPad oder mit einem Reader für den Browser (Kindle Cloud Reader). Die verschiedenen Geräte (oder die App) werden auf die persönliche Amazon-ID registriert, womit sie für die Wiedergabe der mit dieser ID gekauften E-Books zugelassen sind (mehr dazu im nächsten Kapitel zu DRM).

2Mit Hilfe der Software Mobipocket Creator oder mit Calibre kann das Format (ohne DRM) selbst produziert werden. Damit können auch E-Books im Format EPUB konvertiert werden, damit sie auf einem Kindle lesbar werden – sofern die Ursprungsdatei nicht mittels DRM geschützt ist. Amazon bietet mit der Software Kindle Gen ebenfalls ein Tool zur Produktion des Formats in der Variante .azw an.

3Analog zu EPUB hat Amazon das Format weiterentwickelt. KF8 (Kindle Format 8) oder auch .azw3 bietet ganz ähnliche Funktionen wie EPUB 3. Es wurde zusammen mit dem Tablet Kindle Fire im Jahr 2012 lanciert. Wie EPUB 3 basiert es auf HTML5 und CSS3, unterstützt SVG und bietet neben Multimedialität auch die Möglichkeit des fixen Layouts.

4Kindle Format 8 is Amazon’s next generation file format offering a wide range of new features and enhancements – including HTML5 and CSS3 support that publishers can use to create all types of books. KF8 adds over 150 new formatting capabilities, including drop caps, numbered lists, fixed layouts, nested tables, callouts, sidebars and Scalable Vector Graphics – opening up more opportunities to create Kindle books that readers will love. (www.amazon.com/gp/feature.html?docId=1000729511)

5Im Prinzip sind EPUB 3, Apples Format ibooks sowie Amazons azw3 sehr ähnliche Formate, die auf praktisch denselben Technologien basieren. Die proprietären Formate .ibooks und .azw3 mit jeweils eigenem DRM bewirken jedoch, dass die E-Books nur auf der Hard- und/oder Software von Apple oder Amazon genutzt werden können. Diese Exklusivität ist gewollt. Die Geschäftsbedingungen der beiden Firmen wollen auch juristisch verhindern, dass ein Nutzer die E-Books konvertiert und auf anderen Geräten nutzen kann. Technisch ist dies jedoch möglich – und zumindest gemäss aktuellem Urheberrecht in der Schweiz für den privaten Gebrauch auch zulässig.

1.3.4 E-Books im Format PDF

Grundsätzliches

1Das PDF-Format (Portable Document Format) gilt als ein flexibles, plattform- und anwen­dungsübergreifendes Dateiformat. Das Konzept des PDF basiert auf der Idee, dass der gedruckte Inhalt in einem elektronischen Dokument dargestellt wird. Sein Vorteil besteht darin, dass die Inhalte auf allen Plattformen identisch (und wie in der Produktion festgelegt) dargestellt werden. Somit werden der Seitenumbruch, die Schriften, die Anordnung der Bilder, Tabellen etc. genauso dargestellt wie in der gedruckten Version. Das PDF-Format eignet sich vor allem für die Erscheinungsform von E-Books mit Bild und Text. Darüber hinaus können PDF-Dateien elektronische Such- und Navigationsfunktionen, wie z. B. Links, enthalten. Mehr dazu im ausführlichen Artikel in Wikipedia. Im Vergleich zu anderen E-Book-Formaten verfügt das PDF über weniger spezifische E-Book-Funktionen.

2PDF-Dokumente sind nicht für die Nutzung auf kleinen Bildschirmen optimiert. Im Wissenschaftsbereich werden Artikel aus elektronischen Zeitschriften am PC gelesen oder (sogar) ausgedruckt und auf Papier gelesen und bearbeitet. Tablets bieten ebenfalls gute Möglichkeiten und über entsprechende Apps auch nützliche Funktionen zum Lesen und Bearbeiten von PDF-Dokumenten.

3Beim Wikipedia-Eintrag zu E-Books mit festem Seitenlayout heisst es fälschlicherweise:

„Bis vor wenigen Jahren kam dafür noch das PDF Format zum Einsatz. Dieses wurde aber mittlerweile fast vollständig vom EPUB-Standard für festes Seitenlayout bzw. dem ebenfalls auf EPUB basierenden Apple Multi-Touch Format abgelöst.“

Tatsache ist, dass im Wissenschaftsbereich nach wie vor das PDF das gängige Format ist. Die oben zitierte Aussage mag für populäre E-Books (Sachbücher oder Bilderbücher) gelten, aber nicht für wissenschaftliche E-Books.

Technischer Hintergrund

4Ursprünglich handelte es sich um ein proprietäres Da­teiformat der Firma Adobe. Die auf dem PostScript-Belichtungsmodell basierenden PDF-Dateien zeigen Schriften, Seitenlayouts, Vektor- und Bitmap-Grafiken exakt an und erhalten diese. Somit entspricht ein PDF-Dokument eigentlich der Druckausgabe eines Dokuments, was im Hinblick auf die Nutzung als E-Book von Bedeutung ist.

5Zunächst konnten Pdf-Files nur mit Hilfe der firmeneigenen Software Adobe Acrobat verwendet werden. Die Produktion war zudem kostenpflichtig – ich erinnere mich noch an sog. „Dongles“, die so um das Jahr 1997 am PC angeschlossen werden mussten und die Herstellung einer bestimmten Anzahl PDFs erlaubten. Die Spezifikationen des Formats wurden jedoch schon 1993 veröffentlicht. Anfang 2007 brachte es Adobe in den Standardisierungsprozess der ISO ein, und mit der Veröffentlichung 2008 wurde PDF in Version 1.7 als ISO 32000-1:2008 ein offener Standard. Somit kann PDF mit allen möglichen auch kostenlosen Tools erstellt werden (zum Beispiel direkt über die Druckausgabe oder mit Hilfe von PDFCreator oder Open Office).

6Eine Weiterentwicklung des PDF stellt das PDF/A dar, das speziell im Hinblick auf die Langzeitarchivierung kreiert wurde. Genauer gesagt, handelt es sich beim PDF/A um ein herkömmliches PDF, das genau definierte Anforderungen erfüllt. Beim PDF/A ist zum Beispiel festgelegt, dass alle Elemente im Dokument selbst enthalten sein müssen. Es sind also keine Referenzen auf externe Dokumente oder Bilder erlaubt. Alle Schriften müssen eingebettet sein, damit ein Dokument auch ohne die bei der Herstellung verwendeten Schriftsätze gelesen werden kann. Videos dürfen nicht enthalten sein.

PDF als Format für wissenschaftliche E-Books

7Es ist nicht unumstritten, die Dokumente im PDF-Format als E-Books zu bezeichnen. Natürlich ist nicht jedes PDF-Dokument ein E-Book. Wenn wir unsere Definition von E-Books anwenden, sind nur Monographien gemeint, die in elektronischer Form mit Funktionen für die Nutzung auf elektronischen Lesegeräten veröffentlicht werden. Es ist nicht unschwer zu erkennen, dass sich das Format zunächst bei den Elektronischen Zeitschriften etabliert hat. Die in den 1990er Jahren aufkommenden elektronischen Zeitschriften wurden zunächst meist im Format HTML als einfache Webseiten veröffentlicht. Später wurde das PDF immer wichtiger, vor allem wegen seiner Fähigkeit, die Inhalte auf allen Betriebssystemen und Geräten im ursprünglichen Layout darzustellen. Die Druckausgabe des Dokuments wird in ein digitales Dokument umgeleitet, und damit entspricht die elektronische Version exakt der gedruckten Fassung. Das war gerade für die Zitierfähigkeit der elektronischen Variante von grossem Vorteil. Aber auch für die Darstellung mathematischer Formeln eignet sich das Format ausgezeichnet.

8Ich interpretiere die folgende Entwicklung so, dass die Verlage die für die Produktion von E-Journals aufgebauten und etablierten Plattformen dann auch für die Herstellung von E-Books einsetzten. Das führte zu der aus Nutzersicht suboptimalen Angleichung der E-Books an die E-Journals. Das Geschäftsmodell der E-Journals wurde auf die E-Books übertragen. Noch 2016 werden die meisten wissenschaftlichen E-Books so veröffentlicht wie ein elektronisches Zeitschriftenheft: statt der einzelnen Artikel im Heft werden die einzelnen Kapitel des Buches als ein PDF-Dokument zum Download angeboten. Was bei der Zeitschrift mit abgeschlossenen einzelnen Beiträgen durchaus Sinn macht, ist bei einer Monographie unsinnig. Einerseits entspricht diese Aufsplitterung in einzelne Kapitel nicht der Intention der Autoren.[5] Möglicherweise wird ein Kapitel aus dem Zusammenhang gerissen und ohne die Einleitung und allfällige Relativierung in einem Vor- oder Folgekapitel gelesen. Andererseits macht auch das von den E-Journals übernommene Kostenmodell, der Kauf eines einzelnen Kapitels (analog zum Kauf eines einzelnen Zeitschriftenartikels) keinen Sinn.

E-Book auf der Plattform von De Gruyter

Screenshot der Plattform DeGruyter mit der Auswahl der Kapitel

9Als Beispiel die E-Book-Version meiner Publikation zum Thema Innovationsmanagement in Bibliotheken: Jedes einzelne Kapitel (auch das Inhaltsverzeichnis oder das Abbildungsverzeichnis) wird als separates PDF-Dokument zum Download angeboten – wobei der Zugang zum Abbildungsverzeichnis wie für jedes Kapitel € 30.- kostet (oder 49.95 € für das ganze Buch). Zum selben Preis gibt es das Werk auch komplett als EPUB-Version, was eine begrüssenswerte jüngere Entwicklung ist. Es ist klar, dass in der Regel die Bibliotheken den Zugang für die Angehörigen ihrer Hochschule erwerben und somit die Preisfrage für den Endnutzer nicht relevant sein dürfte. Allerdings bleibt die Aufteilung in einzelne Kapitel weiter bestehen.

10Nach langem Drängen von Nutzerinnen und Nutzern und auch aus den Reihen der Bibliothekarinnen und Bibliothekare sind einzelne Verlage in den letzten Jahren dazu übergegangen, die E-Books auch als komplettes Dokument im PDF-Format und teilweise auch im Format EPUB anzubieten.

Komplettes Buch als PDF bei Springer

E-Books mit Download als komplettes PDF-Dokument bei Springer

11Die PDF-Dokumente entsprechen in der Grösse dem gedruckten Heft oder dem gedruckten Buch. Das bedeutet, dass die Seiten für einen kleinen Bildschirm (also beim Smartphone oder E-Reader) zu gross sind und der Inhalt schlecht lesbar ist.

PDF auf iPhone

Screenshot eines PDF-Kapitels vom iPhone 6 in der Anwendung iBooks

12Unter dem Strich kann festgehalten werden, dass die beiden unterschiedlichen Ansätze – EPUB als spezifisches E-Book-Format und PDF als digitale Version des gedruckten Originals – ihre Vor- und Nachteile haben. Aus Nutzersicht ist es wünschenswert, dass beide Versionen angeboten werden, damit je nach Verwendungszweck das geeignete Format gewählt werden kann. Aus Nutzersicht müssten die Geschäftsmodelle und Preise angepasst werden, wobei wir später noch auf diese Problematik eingehen werden. Ihren vollen Funktionsumfang entfalten die E-Book-Formate nur, wenn sie ohne technische Einschränkungen (v.a. durch DRM) angeboten werden.


  1. Ein EPUB mit DRM lässt sich jedoch nicht konvertieren.
  2. http://www.idpf.org/epub/31/spec/epub-changes.html#sec-diff-intro-history
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Canvas_(HTML-Element)
  4. Heute wird auch die Website http://www.mobipocket.com nicht mehr betrieben.
  5. Ich verweise hier auf die ähnliche Diskussion im Bereich der elektronischen Musik: Interpreten wehrten sich dagegen, dass ihre mit Bedacht zusammengestellten Alben aufgesplittet und alle Songs einzeln gekauft werden konnten.

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