2. Nutzung von E-Books

2.5 Der E-Book-Markt

1Aussagen zum E-Book-Markt sind ziemlich schwierig, da man je nach Quelle auf sehr unterschiedliche Werte stösst. Wenn jeweils von Anteilen am Buchmarkt die Rede ist, fallen meistens die Wissenschaftsverlage weg. Auch veröffentlichen bei weitem nicht alle Verlage transparente Zahlen, so dass die publizierten Statistiken oft nur eine Hochrechnung im Bereich Belletristik darstellen. Tendenziell kann man festhalten, dass der Anteil der E-Books am gesamten Buchmarkt noch immer auf schwachem Niveau steigt, aber gerade im Vorreitermarkt USA mittlerweile wieder rückläufig ist.

2Im Kontext Buchmarkt muss auch noch konstatiert werden, dass der Gesetzgeber E-Books anders behandelt als gedruckte Bücher. So kommt bei den E-Books der reduzierte Mehrwertsteuersatz im Gegensatz zu den Büchern nicht zur Anwendung. Das bedeutet also, dass E-Books eine höhere Belastung durch die MWSt haben. In Deutschland gilt nur für Papier-Bücher der ermässigte Satz von 7 Prozent, für E-Books und auch für Hörbücher dagegen 19 Prozent. E-Books sind in Deutschland nicht der Buchpreisbindung unterworfen, was wiederum ein Unterschied zum gedruckten Buch darstellt. Wobei sich verschiedene Kreise, unter anderen auch der dbv, für eine Gleichbehandlung von E-Books und Büchern einsetzen.

3Statista hat in ihrem Market Outlook Aussagen zum E-Book-Markt in Deutschland (und in der Schweiz) zusammengefasst:[1]

  • Der Umsatz im Segment „eBooks“ beträgt in Deutschland 2017 etwa 377 Mio. € (2015: 349,3 Mio.), in der Schweiz: 66 Mio. € (2015: 48,7 Mio.).
  • Die sog. Penetrationsrate (prozentualer Anteil der zahlenden Nutzer an der Gesamtbevölkerung (Erwachsene über 16 Jahre)) beträgt  aktuell 10.5% in Deutschland und soll bis 2021 auf 10.9% leicht steigen (in der Schweiz liegt sie aktuell bei 12.8%).
  • Im weltweiten Vergleich zeigt sich, dass am meisten Umsatz in den USA generiert wird (4.772 Mio. € in 2017).
  • Laut Prognose wird im Jahr 2021 in Deutschland ein Marktvolumen von 390 Mio. € erreicht; dies entspricht einem jährlichen Umsatzwachstum von 0.8%  (Schweiz: 83 Mio € mit jährlichem Wachstum von 5.8%)

4Diese Prognosen wurden seit 2015 massiv nach unten korrigiert: Vor zwei Jahren ging man noch von einem jährlichen Wachstum von 20% aus und von einem Marktvolumen in Deutschland von 869 Mio. € im Jahr 2020.

Abbildung: Umsatzanteil E-Books am Publikumsmarkt (Quelle: Statista)

5Die aktuellen Zahlen von Statista, auf der Basis des Börsenvereins, zeigen ein recht ernüchterndes Bild: 2016 beträgt der Anteil der E-Books im Publikumsmarkt in Deutschland lediglich 4.6%.

6Wenn wir den Buchmarkt betrachten, müssen wir natürlich auch von den Preisen sprechen. E-Books sind nur unwesentlich billiger als gedruckte Bücher. Ich greife mir ein zufällig gewähltes Beispiel heraus (und zwar am 3. April 2017): Das Werk „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson kostet beim Schweizer Buchhändler ExLibris als Hardcover Fr. 17.20 (mit 20% Rabatt), als Taschenbuch Fr. 11.90 (mit 20% Rabatt) und als E-Book Fr. 11.- Ein aktueller Bestseller „Der Mann, der zu träumen wagte“ kostet als Hardcover Fr. 19.55 (mit 30% Rabatt) und als E-Book Fr. 18.- Im Vergleich dazu dieselbe Kombination bei Thalia.de: „Der Mann, der zu träumen wagte“ kostet hier als Hardcover € 19.99 und als E-Book 16.99 (bei Amazon übrigens genau gleich viel). „Der Hundertjährige“ wiederum kostet als Paperback € 9.99 und als E-Book € 8.99 (auch hier: bei Amazon kostet es genau gleich viel). Dies gilt allgemein als Faustregel: das E-Book wird 10 bis 20% günstiger verkauft als das billigste Buch. Und in der Schweiz kann (ohne Buchpreisbindung) der Preis für ein gedrucktes Buch durchaus mit einem grosszügigen Rabatt gesenkt werden.

7Dieser Preis hat aus Sicht der Produktion durchaus seine Logik. Wenn man als Konsument denkt, dass durch den Wegfall des Drucks und des Vertriebs ein grosser Teil der Kosten entfallen würde, täuscht man sich. Der grösste Teil des Aufwands und der Kosten ist nämlich derselbe – egal, ob ein Buch gedruckt oder elektronisch ausgeliefert wird. Schon 2010 waren diese aus Konsumentensicht zu hohen Preise in der Diskussion. In einem Artikel auf Zeit Online hiess es:

8Denn im Gegensatz zu sieben Prozent bei gedruckten Büchern unterliegen E-Books dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. „Bei einem Ladenpreis von 8,95€ macht das 0,84€ Unterschied aus – ungefähr so viel, wie Druck, Papier und Bindung eines 300-Seiten-Taschenbuchs kosten“, sagt Michael Justus, kaufmännischer Geschäftsführer der S. Fischer Verlage.

9Aus Konsumentensicht ist der Preis aber gleichwohl zu hoch, da man für den Preis deutlich weniger kriegt. Ein Buch kauft man und besitzt es danach. Ein Buch ist ein durchaus attraktives Objekt, das für viele Menschen einen Mehrwert darstellt. Man kann damit tun und lassen, was man will. Man kann es auch verschenken oder weiterverkaufen. Das E-Book jedoch lizenziert man nur. Man erhält ein stark limitiertes Nutzungsrecht an einer Datei, die man weder weitergeben noch verkaufen darf. Zudem: der Leser muss beides kaufen, wenn er ein Buch auch noch unterwegs auf einem Lesegerät lesen möchte. Dabei hat er das Werk ja schon gekauft und den Urheber dafür entschädigt.

10Die Preisdiskussion wird auch im Kontext der Open Books geführt. Wie an anderer Stelle (im Kapitel zu Open E-Books) ausgeführt, sind im Wissenschaftsbereich die Förderorganisationen entschlossen, nur noch Publikationen zu fördern, die dann öffentlich und frei zugänglich sind. Dies scheint bei den wissenschaftlichen Fachbeiträgen ziemlich unbestritten, da hier ohnehin die Finanzierung über Hochschulen und Lizenzen erfolgt. Anders bei den Monographien, an denen sowohl die Autoren als auch die Verlage Geld verdienen durch Verkauf an Privatkunden. Funktioniert ein Modell, bei dem zum einen ein gedrucktes Buch verkauft wird, zum andern aber die elektronische Version frei verfügbar ist? Dies wird im Projekt OAPEN-CH untersucht. Wobei bereits das Projekt OAPEN-NL gezeigt hat, dass die offene elektronische Veröffentlichung den Verkauf der gedruckten Monographie nicht beeinträchtigt.

Bücher oder E-Books?

11Es gibt eine Reihe von Untersuchungen darüber, wie viel gelesen wird und welches Medium bevorzugt wird. Die oben gezeigten Zahlen deuten bereits an, dass die E-Books nur einen geringen Teil des Buchmarkts ausmachen und dass somit das gedruckte Buch nach wie vor im Vordergrund der Nutzergunst steht.

12Die BITKOM hat 2016 eine Studie zur Nutzung von E-Books publiziert. Dabei hat sie zunächst gefragt, wie viel grundsätzlich gelesen wird. 75% der befragten Deutschen haben angegeben, dass sie zumindest hin und wieder ein Buch lesen. Auf die Frage, ob hin und wieder ein E-Books gelesen werde, antworteten 24% mit Ja (gegenüber 25% im Jahr zuvor). Die wichtigsten Gründe, weshalb LeserInnen Bücher bevorzugen und keine E-Books lesen, lauteten:

  • Ich bevorzuge die sinnliche Wahrnehmung gedruckter Bücher: 55%
  • Ich möchte nicht auf einem Bildschirm lesen: 44%
  • Die Lesegeräte sind zu teuer: 38%
  • Nutzung der Lesegeräte ist zu kompliziert: 25%
  • Es gibt zu wenig Literatur-Auswahl für E-Books: 20%

13Über 50% stimmten zu, dass sie E-Books unabhängig vom Anbieter auf allen Geräten lesen möchten (62%), dass sie erworbene E-Books weiterverkaufen möchten (53%) und dass sie erworbene E-Books an Freunde oder Familienmitglieder ausleihen könnten (51%).

14Auch der Schweizer Tages-Anzeiger hat in einer Umfrage im März 2017 zu ergründen versucht, weshalb man Bücher aus Papier lese. Häufigster Grund war „sie fühlen sich besser an“ (84.0%), gefolgt von „man kann sie sammeln“ (47.3%), „wegen der Atmosphäre im Buchladen“ (45.2%), „man kann sie jemandem ausleihen“ (41.4%) und „ich mag ihren Geruch“ (35.5.%).

Gründe für den Vorzug von Büchern (Umfrage des Tages-Anzeigers)

 

15Als wichtigste Gründe, weshalb E-Books gelesen wurden, wurden in der BITKOM-Studie aufgeführt:

  • Stehen jederzeit zur Verfügung: 81%
  • Nehmen keinen Platz weg: 72%
  • Überall Zugriff auf meine Bücher: 69%
  • Kann schnell neuen Lesestoff beziehen: 57%
  • Geringes Gewicht, z.B. bei Reisen: 54%

Abbildung: Meinungen zu E-Books in Deutschland (Quelle: Statista)

16Es lässt sich also festhalten, dass E-Books in gewissen Aspekten durchaus praktisch sind, vor allem für die Nutzung unterwegs, dass aber gedruckte Bücher weiterhin viele Vorzüge besitzen, die zu einem nicht geringen Anteil eher emotionaler Natur sind. Man verbindet mit dem Buch mehr als nur die reine Information. Und E-Books verfügen über einige handfeste Nachteile, die von der rechtlichen und technischen Einschränkung der Nutzung bis zu den Nachteilen des Lesens am Bildschirm reichen – und nicht zuletzt den als zu teuer empfundenen Preis beinhalten. Entsprechende Aussagen machten auch die in der BITKOM-Studie befragten E-Book-Leser: Mehr als die Hälfte möchten E-Books auf allen Geräten nutzen, sie weiterverkaufen oder verschenken können.

Abbildung: Aussagen zu Erwerb, Verkauf und Leihe von E-Books (Quelle: Bitkom)

Literatur:

Eike Kühl: Des E-Books stolzer Preis. In: Zeit online, 21. September 2010 http://www.zeit.de/digital/mobil/2010-09/ebooks-preisbindung-ereader

BITKOM: Nutzung von E-Books bleibt stabil. Oktober 2016. https://www.bitkom.org/Presse/Pressegrafik/2016/Oktober/Bitkom-PK-Charts-E-Books-Studie-11-10-2016-final.pdf

 


  1. Quelle: Statista, Market Outlook eBook (Datenbankabfrage, April 2017)

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