1. E-Books Grundlagen

1.2 Definition von E-Books

1E-Books werden auf sehr unterschiedliche Weise definiert. Zunächst kann man von der ausgeschriebenen Variante ableiten, dass es sich bei E-Books um die elektronische Form von Büchern handelt (electronic books).

2Was sagt Wikipedia dazu?

„E-Book (deutsch E-Buch, auch Digitalbuch; englisch e-bookebookeBook) steht für ein elektronisches Buch (engl. electronic book) und bezeichnet Bücher in digitaler Form, die auf E-Book-Readern oder mit spezieller Software auf Personal Computern, Tablet-Computern oder Smartphones gelesen werden können.“

3Diese Definition steht somit in der Tradition, nach der das E-Book vom Buch abgeleitet wird, was ja auch naheliegend ist. Allerdings verdeutlichen die Beispiele der verschiedenen Erscheinungsformen, dass diese Definition dem Potential und den zusätzlichen Funktionen zu wenig gerecht wird. Zudem werden heute viele Bücher gar nicht in Printform veröffentlicht. Nahe an dieser Definition ist jene in Gablers Wirtschaftslexikon:

4„Ein E-Book ist ein elektronisches Buch. Es wird mit einem Handy, Smartphone, Reader, Tablet oder einem anderen elektronischen Gerät, das mit einem Display ausgestattet ist, gelesen und betrachtet. Man kann es multimedial aufbereiten und mit Links ergänzen, so dass es zum Enhanced oder Enriched E-Book wird.“

5Welsch und Matrisch (2011) haben deshalb eine offenere Definition gewählt:

„Ein E-Book ist die digitale Publikation von Inhalten für die Nutzung auf Lesegeräten, die die Inhalte auf Displays darstellen und Funktionen zur Nutzung bereitstellen.“

6Die Definition sollte im Umkehrschluss andere Formen und Medientypen ausschliessen, die wir nicht als E-Book bezeichnen würden. Dies scheint mir bei den allzu offenen Definitionen nicht gegeben. Dies ist auch bei der Definition von Nils Tiemann der Fall, wie er selber einräumt:

„Ein E-Book ist ein Trägermedium für digitale Text-, Audio-, Bild-, Video- und/oder animierte Inhalte im geschlossenen Dateiformat. Als Systemgut sind zur Rezeption ein Anwendungsprogramm (Software) und ein Endgerät (Hardware) nötig.“

7Man kann ja auch ein Video digital publizieren und auf einem Lesegerät mit Display zur Verfügung stellen. Im Bibliotheksbereich ist man sich uneinig darüber, ob digitalisierte Bücher als E-Book bezeichnet werden sollen. Das ist  zum einen für die Kommunikation mit den Nutzern wichtig (was verstehen diese unter einem E-Book? Erwarten sie im Angebot E-Books auch alte digitalisierte Bücher?), andererseits auch für die Bestandsstatistik. In meinem Verständnis gehören reine Digitalisate nicht dazu. Ein E-Book sollte über spezifische Funktionalitäten verfügen, zu denen zum Beispiel anklickbare (verlinkte) Inhaltsverzeichnisse gehören oder ein durchsuchbarer Text.

8Deshalb hier mein Versuch für eine Definition:

„Ein E-Book ist ein Buch in elektronischer Form – allenfalls ergänzt durch multimediale und interaktive Elemente -, das zur Nutzung mit Lesegeräten mit spezifischen Funktionen bereitgestellt wird.“

9Mit dieser Definitionen würden blosse Digitalisate ohne Zusatzfunktionen ausgeschlossen. Die Anlehnung ans Buch bedeutet, dass Bild und Text dazu gehören und dass kürzere Artikel nicht mitgemeint sind.

Literatur zu diesem Kapitel:

Tiemann, Nils (2017): Technische und typografische Aspekte der E-Book-Herstellung sowie der angewandten Prozessabläufe. Maßnahmen zur Optimierung für deutschsprachige Publikumsverlage. Masterarbeit. Freie Universität Berlin. 2017. (http://www.typo-ne.de/1-grundlage/1-1-e-book/)

Ursula Welsch, Uwe Matrisch (2011): E-Books konzipieren und produzieren. Taching am See: MedienEdition Welsch

1 Response to 1.2 Definition von E-Books

  1. Wolf auf Juni 30, 2017 von 10:43 pm says:

    Wenn wir die Möglichkeit von Menschen die das was wir gemeinhin ein Buch nennen nicht „lesen“ können, wird schnell klar, dass eine zu einschränkende Definition von E-Books nicht hilfreich ist. Audio-Bücher also das vorgelesene Werk oder gar Hörspiele sind barriereärmer. Für Blinde sind E-Reader genauso untauglich wie für Analphabeten. Die Trennung in Textform, Audio, Video scheint eher den Verwertern geschuldet zu sein, die ja auch DVD, Blu-ray und neuere Datenträgerformate nur als Einnahmequelle behandeln statt als Möglichkeut die Medientypen zu verbinden. Genau letzteres wäre mit Erscheinungsform 2 aber sehr gut machbar. Denkbar wäre sogar die Präferenz des Nutzers heranzuziehen – yet to come.

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