4. E-Books produzieren

4.2 Veröffentlichen von E-Books

4.2.1 Veröffentlichen auf kommerziellen Plattformen

1Es ist nicht gerade trivial, ein selbst produziertes offenes E-Book so zu veröffentlichen, dass es einfach gefunden und genutzt werden kann. Am besten wählt man als Selbstverleger einen eigenständigen Dienst, wie zum Beispiel Books on Demand (https://www.bod.de/), epubli (http://www.epubli.de) oder XinXii (http://www.xinxii.com). Matthias Matting gibt auf seiner Website Die Self-Publisher-Bibel (http://www.selfpublisherbibel.de) Tipps zum selbst publizieren und vergleicht auch die Anbieter solcher Dienste. Bei BoD und epubli kann man das selbst produzierte Buch auch als Print-Exemplar in beliebiger Auflage drucken lassen. Viele Online-Buchhändler verfügen über ein eigenes Programm, wie zum Beispiel Amazons Kindle Direct Publishing (https://kdp.amazon.com). Pressbooks (vgl. vorhergehendes Kapitel) bietet auch noch eine gewisse Unterstützung beim Publizieren in verschiedenen kommerziellen Online-Buchhandlungen.

2Die Dienstleister wie Books on Demand bieten zusätzlich die Einspielung der bei ihnen publizierten E-Books in die gängigen Kataloge von Online-Buchhandlungen an. Damit erreicht man hohe Sichtbarkeit in den kommerziellen Kanälen. Persönlich würde ich die Variante über BOD inklusive einer kleinen Auflage in Print wählen. Wir haben im Kapitel zu Open E-Books diskutiert, ob sich der Verkauf eines Buchs mit dem Konzept des Open Access verbinden lässt. Meine Ansicht dazu lautet, ja, das ist möglich. Man kann das E-Book gleichzeitig auch kostenlos (z.B. auf der Pressboots-Plattform) und/oder in einem Repository (siehe unten) publizieren.

3Es gibt Wege, wie man auch über die kommerziellen Plattformen ein E-Book kostenlos anbieten kann, doch geht man hier davon aus, dass das Buch und/oder das E-Book verkauft werden. Man kann in einem Shop (z.B. Apple iBookstore) ein E-Book als Aktion kostenlos veröffentlichen. Anschliessend kann mit Verweis auf diese kostenlose Version das E-Book bei Amazon zum Verkaufspreis von Fr./€ 0.- einstellen.

4„Gelegentlich kann es vorkommen, dass Ihr Buch im Rahmen einer Werbeaktion auf anderen Vertriebskanälen kostenlos zum Verkauf steht. Es ist wichtig, dass der Werbepreis für ein und dasselbe digitale Buch, das über das Programm erhältlich ist, mit dem Werbepreis auf anderen Kanälen übereinstimmt. Deshalb bieten wir Ihr digitales Buch ebenfalls kostenlos an, wenn es auf anderen Vertriebskanälen kostenlos zur Verfügung gestellt wird.“ (https://kdp.amazon.com/de_DE/help/topic/G200634500)

4.2.2 Veröffentlichen auf offenen Plattformen

5Noch anspruchsvoller ist das Veröffentlichen eines E-Book auf einer offenen Plattform. Am einfachsten ist es für Hochschulangehörige, wenn die Hochschule bzw. die Hochschulbibliothek einen Verlag betreibt. Als Verlag kann man sich beim Directory of Open Access Books (DOAB) registrieren. Dieses wird von Suchmaschinen und zum Beispiel auch von Primo Central geharvestet, wodurch das E-Book auch in Discovery-Systemen von Bibliotheken sichtbar wird. Ein Beispiel für ein umfassendes Verlagsangebot bietet Heidelberg University Publishing (https://heiup.uni-heidelberg.de).

6Für die Publikation der E-Books setzt man in Heidelberg Open Monograph Press (OMP) ein (https://pkp.sfu.ca/omp/). Diese Plattform organisiert den Workflow (inkl. Peer Review) und die Publikation der E-Books, analog zu Open Journal Systems (https://pkp.sfu.ca/ojs/) für die Publikation von Zeitschriften. Mit OMP können verschiedene Formate (PDF und EPUB sowie eine HTML-Version) verwaltet und angezeigt werden. Es unterstützt aber nicht die Produktion der verschiedenen Formate, dies muss ausserhalb der Plattform erfolgen. Als Tool zur Verwaltung und für die Veröffentlichungen eines Open-Access-Hochschulverlags bietet sich OMP geradezu an. Damit kann der Online-Auftritt des Verlags und der Zugriff auf die einzelnen Bücher gewährleistet werden.

7An Hochschulen und Hochschulbibliotheken wird oft ein Repositorium als Plattform zum Veröffentlichen von Publikationen eingesetzt. Die Anforderungen an ein E-Book sind dabei höher als an einen Artikel, der in der Regel im Format PDF vorliegt. Beim E-Book möchten wir ja mehrere Formate parallel veröffentlichen, zumindest EPUB und PDF. Es gibt wenige Repositorien, die man ohne Zugehörigkeit zur jeweiligen Hochschule nutzen kann. Eines der wenigen ist Zenodo (https://zenodo.org), das Repositorium des CERN, das auch die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern als Repositorium einsetzt. Es kann im Prinzip von allen genutzt werden. Man kann also sein E-Book auf Zenodo hochladen, erhält eine DOI und kann die Publikation beliebig verlinken. Es erscheint auf DataCite (über die DOI) und wird dann auch von der akademischen Suchmaschine BASE (https://www.base-search.net) erfasst. Auf diesem Weg habe ich eine frühere Version der vorliegenden Publikation als EPUB und PDF veröffentlicht. Sie ist unter http://doi.org/10.5281/zenodo.1280184 zugänglich.

8Weitere Möglichkeiten zur Publikation eines E-Books stellen das Internet Archive (https://archive.org/details/texts) sowie eLIS für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (http://eprints.rclis.org) dar. In beiden Fällen können E-Books zumindest als PDF hochgeladen und publiziert werden.

4.2.3 Findbarkeit in Bibliothekskatalogen

9Der erste Schritt ist damit – wie oben bei der Bereitstellung über OMP – geschafft. Allerdings sind die so publizierten E-Books zwar online verfügbar und können verlinkt und zum Beispiel über soziale Medien beworben werden. Aber sie sind in Bibliothekskatalogen und Discovery-Systemen nicht als E-Book findbar. Man muss jetzt dafür sorgen, dass die Quelle entsprechend geharvestet und indexiert wird. Als Hochschulverlag mit einem Peer-Review-Verfahren kann man sich beim Directory of Open Access Books (www.doabooks.org) registrieren lassen, und damit werden die offenen E-Books in einem zentralen Verzeichnis aufgeführt, das unter anderem von Primo Central geharvestet wird. Das bedeutet, dass diese E-Books im Discovery-System Primo von ExLibris erfasst sind. Auf der Homepage von ExLibris heisst es, dass Ende August 2018 Informationen über die Integration eines institutionellen Repositoriums in den Primo Central Index veröffentlicht werden sollen (https://knowledge.exlibrisgroup.com/Primo_Central/Product_Documentation/Institutional_Repository_Program). Damit wird in Zukunft vermutlich der Schritt vom Repositorium (siehe oben) in den globalen Index einfacher.

10Um die E-Books gut auffindbar zu machen, ist noch einiger Aufwand nötig. Die Kolleginnen von Heidelberg University Publishing schreiben:

11Durch die formale und inhaltliche Erschließung bis auf Beitragsebene sorgen wir für eine optimale Auffindbarkeit in Datenbanken, (wissenschaftlichen) Suchmaschinen und nationalen wie internationalen Bibliothekskatalogen (unter anderem HEIDI/HeiBIB, SWB, KVK, Google Scholar, DOAB, Open Library, Worldcat). Selbstverständlich sind unsere Bücher in den nationalen wie internationalen Buchhandelsverzeichnissen (VLB, KNOE, Buchhandel.de, Amazon u.a.) aufgeführt und können sowohl im Sortimentsbuchhandel als auch online bestellt werden. (https://heiup.uni-heidelberg.de/publishing/for_authors)

4.2.4 Harvesting des Repositorium Zenodo

12An der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern haben wir das Publikationsverfahren mit Zenodo durchgespielt. Zenodo dient der ZHB als Repositorium, das unter der Bezeichnung LARA (Lucerne OA Repository & Archive) als Collection organisiert ist (https://zenodo.org/communities/lara/). Diese Collection wird nun über die OAI-PMH-Schnittstelle (https://www.openarchives.org/pmh/) in das Discovery iluplus der ZHB Luzern (http://www.zhbluzern.ch) geladen.

13Benjamin Flämig hat dieses Verfahren für das Open E-Books-Lab am Deutschen Bibliothekartag 2017 dokumentiert. Das gewünschte E-Book wird in die Community LARA hochgeladen. Dies geschieht am besten durch die Mitarbeitenden der Bibliothek, da die Metadaten nur von dieser hochladenden Person später noch bearbeitet werden können. Im Prinzip kann eine Autorin/ein Autor sein Dokument auch direkt hochladen und einer Community zuweisen. Die Administratoren der jeweiligen Community können dann diese Zuweisung akzeptieren oder ablehnen. Zenodo bietet eine OAI-PMH-Schnittstelle fürs Harvesting an auf der Basis einer einzelnen Community.

Screenshot: Editieren einer Community in Zenodo mit der URL fürs OAI-Harvesting

14Im Metadaten Harvester MarcEditor (https://marcedit.reeset.net/downloads) können die entsprechenden Einstellungen vorgenommen werden. Die Metadaten werden im Format Marc21XML exportiert und lokal gespeichert, um sie danach dem externen Discovery-Tool (in unserem Fall Primo von ExLibris) zu übergeben.

15Dann muss im Discovery-Tool Primo eine sog. Pipe konfiguriert werden. In diesem Schritt werden die Metadaten auf die Struktur des Discovery-Systems „normalisiert“ also an den entsprechenden Metadatenstandard angepasst.

Screenshot: Konfiguration der Primo-Pipe im Primo Backend

16Anschliessend werden jeweils über Nacht die Daten ins Primo eingespielt. Und danach stehen sie in Iluplus zur Verfügung. So wird das in der Community LARA publizierte E-Book im Bibliothekskatalog, bzw. im Discovery sichtbar.

Screenshot: E-Book aus Zenodo/LARA im Discoverystem iluplus 

17Wie oben bei der Information zu den Aktivitäten von Heidelberg University Publishing beschrieben, müsste das Werk aber noch im Bibliothekskatalog „richtig“ katalogisiert werden. Erst dann würde es auch in anderen Suchmaschinen (z.B. Google Scholar) und Bibliothekskatalogen (z.B. WorldCat, Swissbib, KVK) sichtbar.

18Auch hier macht sich bemerkbar, dass die alternativen Publikationsformen durch die kommerziellen Anbieter (Suchmaschinen, Aggregatoren, Verlage) nicht oder ungenügend berücksichtigt werden. Deshalb ist die Integration in ein Discovery auf diese Weise deutlich komplizierter als wenn die Publikation über einen Verlag erfolgt.

 

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